Das Ideal und das Leben - Schaufensterfiguren im Schillerjahr

 

Auf der Tonebene des Films soll „Das Ideal und das Leben“ in Ausschnitten im Off präsentiert werden, jedoch zunächst nicht von einer mensch-lichen Stimme, sondern einem Chor aus Computerstimmen.
Durch diese zusätzliche Verfremdung des Ge-dichts soll vermieden werden, dass der Zuschauer nach einem Gesicht hinter der Erzählerstimme sucht, die Abstraktion der Darstellung auf der Bildebene soll auch auf der Tonebene fortgeführt werden.
Die ausgewählten Textpassagen haben eine Länge von ca. 2 Minuten, sodass auch Raum für stille Passagen bleibt.



Das Künstliche hat in der Gegenwart das Natürliche fast überlagert, Echtes, Unverfremdetes bleibt zu suchen. Die Welt der Puppen und die verschiedenen Stufen ihrer Herstellung laden uns ein, die Parallelen zu unserem Umgang mit Äußerlichkeit zu entdecken. Wir meißeln an unserem Körper mit Fettabsaugen, Brustvergrößerungen und Fitnesswahn, Permanent Make-up und Camouflage verändern und verdecken das Leben in unzähligen Gesichtern, und nichtzuletzt werden Stylingberater engagiert, um dem Ideal des perfekten Looks Nahe zu kommen. In dem Film steht die Erschaffung der Puppen mit all ihren Stadien somit sinnbildlich für den menschlichen Versuch, sich selbst in einer perfekten Hülle neu zu erschaffen und somit nach Schillers Verständnis Gott zu spielen.

Jedoch soll die oben skizzierte Struktur des Filmes vermeiden, dass ein hoffnungsloses Gesellschaftsbild entsteht. Dadurch, dass wir zuletzt das Menschliche sehen, ist der Hoffnungsschimmer, aus dem Künstlichen wieder das Echte werden zu lassen, zu erkennen. Auch auf der Tonebene sollen die letzten Zeilen aus dem Gedicht von einer menschlichen Stimme präsentiert werden, das Modell, dem die Maske abgenommen wird, spricht die gesamte letzte Strophe, zuerst unter der Kamera im Off, zuletzt im On. In diesem von Gipsresten beschmierten Gesicht wird am Ende des Films zum ersten Mal ein menschliches Antlitz zu erkennen sein, das Natürliche im Künstlichen ist erwacht, das, um es mit Schillers Worten zu sagen, Leben im Idealen.
Auch wenn das Artifizielle vielleicht auf den ersten Blick in unserer Gesellschaft dominiert, bleibt darunter doch immer das Menschliche verborgen, dass es nur zu entdecken gilt.


Sendetermin des Films im ZDF am 1. Mai 2005, Uhrzeit wird noch bekannt gegeben.

Text: Heike Schmidt, Jakub Bejnarowicz,
HFF Potsdam, heike.schmidt@hff-potsdam.de


Sendetermin: Sonntag, 1. Mai 2005, 23:25 Uhr auf 3sat.
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Ausschnitte aus
„Das Ideal und das Leben“
von Friedrich Schiller


Jugendlich, von allen Erdenmalen
Frei, in der Vollendung Strahlen
Schwebet hier der Menschen Götterbild.


Wollt ihr schon auf Erden Göttern gleichen,
Frei sein in des Todes Reichen,
Brechet nicht von seines Gartens Frucht!
An dem Scheine mag der Blick sich weiden.

Des Genusses wandelbare Freuden
Rächet schleunig der Begierde Frucht.
Nur der Körper eignet jenen Mächten,
Die das dunkle Schicksal flechten;
Aber frei von jeder Zeitgewalt,
Die Gespielin seliger Naturen,
Wandelt oben in des Lichtes Fluren
Göttlich unter Göttern die Gestalt.

Wollt ihr hoch auf ihren Flügeln schweben,
Werft die Angst des Irdischen von euch!
Fliehet aus dem engen, dumpfen Leben
In des Idealen Reich!
Und beharrlich ringend unterwerfe
Der Gedanke sich das Element.
Nur dem Ernst, den keine Mühe bleichet,
Rauscht der Wahrheit tief versteckter Born.

Nur des Meißels schwerem Schlag erweichet
Sich des Marmors sprödes Korn.

Aber dringt bis in der Schönheit Sphäre,
Und im Staube bleibt die Schwere
Mit dem Stoff, den sie beherrscht, zurück.

Nicht der Masse qualvoll abgerungen,
Schlank und leicht, wie aus dem Nichts gesprungen,
Steht das Bild vor dem entzückten Blick.
Alle Zweifel, alle Kämpfe schweigen
In des Sieges hoher Sicherheit;
Ausgestoßen hat es jeden Zeugen
Menschlicher Bedürftigkeit.
In der Anmuth freiem Bund vereint,
Ruhen hier die ausgesöhnten Triebe,
Und verschwunden ist der Feind.


Aber in den heitern Regionen,
Wo die reinen Formen wohnen,
Rauscht des Jammers trüber Sturm nicht mehr.
Hier darf Schmerz die Seele nicht durchschneiden,
Keine Thräne fließt hier mehr den Leiden,
Nur des Geistes tapfrer Gegenwehr.
Lieblich, wie der Iris Farbenfeuer
Auf der Donnerwolke duft'gem Thau,
Schimmert durch der Wehmuth düstern Schleier.

Hier der Ruhe heitres Blau.
Bis der Gott, des Irdischen entkleidet,
Flammend sich vom Menschen scheidet
Und des Äthers leichte Lüfte trinkt.
Froh des neuen ungewohnten Schwebens, Fließt er aufwärts, und des Erdenlebens Schweres Traumbild sinkt und sinkt und sinkt.

Des Olympus Harmonien empfangen
Den Verklärten in Kronions Saal,
Und die Göttin mit den Rosenwangen
Reicht ihm lächelnd den Pokal.